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Warum zahnmedizinische Fachkräfte mehr psychologisches Feingefühl brauchen

Wie ZWP online berichtet, hat die niedersächsische Dentalhygienikerin Sylvia Krause den Dentalhygiene Award im Bereich Forschung gewonnen – für eine Arbeit, die direkt am Herzpunkt vieler Patienten…

Warum zahnmedizinische Fachkräfte mehr psychologisches Feingefühl brauchen

Sylvia Krause gewinnt Dentalhygiene Award 2026 für Forschung zu Angstpatienten

Wie ZWP online berichtet, hat die niedersächsische Dentalhygienikerin Sylvia Krause den Dentalhygiene Award im Bereich Forschung gewonnen – für eine Arbeit, die direkt am Herzpunkt vieler Patienten ansetzt: der Angst vor dem Zahnarzt. In ihrem Fachbeitrag zeigt Krause, wie stark psychologische Kompetenzen und einfühlsame Kommunikation in der zahnmedizinischen Prophylaxe wirken, wenn es um den Abbau von Behandlungsängsten geht. Für Patientinnen und Patienten ist das ein konkretes Signal: Die Frage, wie gut ein Praxisteam mit Ängsten umgeht, gehört genauso auf die Checkliste wie die Adresse oder die Erreichbarkeit.

Was der Award für die Prophylaxe bedeutet

Der Dentalhygiene Award im Bereich Forschung würdigt wissenschaftliche Beiträge, die die zahnmedizinische Prophylaxe voranbringen. Krauses Studie basiert auf einem Fragebogen, der ursprünglich aus einer US-amerikanischen Untersuchung von Lauren Kanzigg stammt und für den deutschen Kontext angepasst wurde. Entscheidend dabei: Krause hat die Schweregrade differenzierter gestuft als das Original. Die Kategorie der schweren Angst unterteilt sie in „starke" und „übermäßig starke Angst", um die Grenze zwischen Zahnbehandlungsangst und tatsächlicher Zahnbehandlungsphobie präziser ziehen zu können. Zusätzlich hat sie eine Kategorie für angstfreie Patienten ergänzt.

Diese Feinjustierung ist für die Praxis relevant: Nicht jede Angst hat dieselbe Intensität, und eine saubere Unterscheidung zwischen belegbarer Angst und klinischer Phobie verlangt präzise diagnostische Instrumente.

Wo Behandlungsängste entstehen und was Eltern beachten sollten

Ein zentraler Befund von Krause: Ein Teil der Angstpatienten berichtet von traumatischen Erfahrungen in der Kindheit. Die größte Präventionsstelle liegt deshalb bei den Eltern. Ängste lassen sich unbewusst projizieren, und Kinder nehmen solche Signale besonders fein wahr. Ist also eine Begleitperson selbst ängstlich, steigt das Risiko, dass auch das Kind Verbindung zwischen Praxis und Bedrohung knüpft.

Krause betont im Interview mit ZWP online, dass Beobachtungsgabe und Gespür der Eltern entscheidend sind. Eine einzelne schlechte Erfahrung, etwa beim ersten Termin in einer fremden Praxis mit unbekannten Geräuschen und neuen Menschen, ist noch kein Richterspruch. Wichtig ist, die Kommunikation zwischen Kind und Behandlungsteam direkt stattfinden zu lassen, statt als Vermittler zu fungieren. Wenn die Chemie zwischen Kind und Behandler jedoch dauerhaft nicht stimmt, kann ein Behandler- oder Praxiswechsel der richtige Schritt sein.

Was das für Patienten konkret bedeutet

Die Botschaft von Krauses Arbeit lässt sich direkt auf die Praxiswahl übertragen: Fragen Sie in einer neuen Praxis nach, wie das Team mit ängstlichen Patienten umgeht. Gute Prophylaxe umfasst auch psychologische Kompetenz und einfühlsame Kommunikation, nicht nur die technische Zahnreinigung. Wer Angst hat, sollte das offen ansprechen – professionelle Praxen behandeln das als Teil ihrer Aufgabe, nicht als Ausnahme.

Krauses Beitrag zeigt nach eigenem Bekunden ein deutliches Verbesserungspotential im Umgang mit Angstpatienten in Deutschland. Für Patienten ist das gleichzeitig die Einladung, bei der nächsten Praxissuche gezielt auf diese Kompetenz zu achten – und im Zweifel nachzufragen, bevor der erste Behandlungstermin ansteht.