DG-PARO-Kongress: Neue Zahnmedizin-Verfahren auf dem Prüfstand
Nach Angaben der Zahnärztlichen Mitteilungen (zm-online) standen auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) vom 24. bis 26.

September 2026 neue diagnostische Methoden im Mittelpunkt: Mikrobiom-Analysen per Next-Generation-Sequencing, dentale Magnetresonanztomografie und KI-gestützte Auswertung. Das Fazit der Veranstalter fiel eindeutig aus: Diese Verfahren müssen ihren klinischen Nutzen erst noch belegen. Für Patienten in der Praxis bedeutet das zugleich mehr Auswahl und mehr Pflicht zum Nachfragen.
Was die neue Diagnostik leisten kann (und was nicht)
Wie sich das Feld verändert, zeigte Prof. Dr. Daniel Hagenfeld von der Universität Köln: Der Nachweis einzelner Markerkeime rückt in den Hintergrund, stattdessen wird das gesamte orale Mikrobiom per Next-Generation-Sequencing betrachtet. In Kombination mit Multi-Omics und KI soll es künftig möglich werden, Dysbiosen, also Ungleichgewichte der Bakteriengemeinschaft, differenzierter zu erkennen und Therapien stärker zu individualisieren. Prof. Dr. Dr. Ti-Sun Kim aus Heidelberg stellte ergänzend die dentale Magnetresonanztomografie vor: Sie kommt ohne ionisierende Strahlung aus und soll gefährdete Bereiche als „Bone at Risk" markieren, noch bevor im Röntgenbild ein Knochenabbau sichtbar wird. Der Kongress räumt ein, dass die Interpretation der Signalintensitäten noch Grenzen hat, Zahn- und Parodontalstrukturen aber bereits darstellbar sind.
Für Patienten folgt daraus eine konkrete Frage: Wer eine solche Zusatzdiagnostik anbietet oder empfiehlt, sollte benennen, in welchen Fällen sie einen Mehrwert bringt, wie aussagekräftig die Methode aktuell ist und welche Kosten hinzukommen. Solange es sich nicht um eine Kassenleistung handelt, lohnt eine schriftliche Aufklärung.
Prävention bleibt das Schlüsselthema
Das Kongressmotto formulierte das Spannungsfeld bewusst: Neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten eröffnen Chancen, müssen aber hinsichtlich ihres tatsächlichen klinischen Nutzens kritisch bewertet werden. In dieselbe Richtung argumentierte Dr. Doris Seiz, Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer, in ihrem Grußwort: Die DMS 6 zeige rund 14 Millionen Menschen in Deutschland mit behandlungsbedürftigen schweren Parodontalerkrankungen, Parodontitis bleibe daher ein „Schlüsselthema" für Mund- und Allgemeingesundheit. Erfolgreiche Therapie erfordere „langen Atem" und Präzision, also Verlässlichkeit bei Erstbehandlung und unterstützender Parodontitistherapie (UPT).
PAR-Richtlinie: Bilanz nach fünf Jahren
Eine gesundheitspolitische Standortbestimmung lieferte Martin Hendges, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung: Die seit Juli 2021 geltende PAR-Richtlinie ließ die Behandlungszahlen zunächst deutlich steigen. Danach habe die Budgetierung der Behandlungsstrecke zu einem Einbruch geführt, unter das Niveau vor Einführung der Richtlinie. Die KZBV fordert deshalb eine langfristig gesicherte Finanzierung der gesamten Strecke einschließlich UPT.
Was das praktisch heißt: Wer eine Parodontitisbehandlung beginnt, sollte mit der Praxis klären, wie viele UPT-Sitzungen im Versorgungszeitraum vorgesehen sind, wie das Team auf mögliche Bewilligungsgrenzen reagiert und welche Schritte greifen, falls die Therapie unterbrochen werden muss. Gerade in der Erhaltungsphase entscheidet sich, ob der eigene Zahn langfristig erhalten bleibt.